Gott ist im Untergang und im neuen Anfang – GI 21/09

Da gab es schon einmal eine Flut, die Zerstörung brachte.
Die Menschen damals verstanden die Flut als Strafe.
Das können und würden wir heute nicht mehr sagen.
Obwohl wir wissen, dass wir durch den Klimawandel beteiligt sind.

Aber wir sehen, die Menschen, die es getroffen hat,
sind nicht mehr daran beteiligt
als die, die verschont blieben.

Noah und seine Arche überlebten.
Staunend erzählt die Geschichte, dass das Leben weiter ging
und wieder in seinen Rhythmus fand:
Saat und Ernte,
Frost und Hitze,
Sommer und Winter,
Tag und Nacht
hörten nicht auf.

Die Geschichte von Noah stellt Gottes Handeln nicht in Frage.

Gott ist im Untergang und im neuen Anfang.

Gott ist von seiner Schöpfung nicht zu trennen.
Trotzdem halten wir es nur schwer aus,
dass die Zerstörung und der Tod dann auch dazu gehören.

Wir glauben an Gott, den Allmächtigen … und erleben seine Ohnmacht.
Die Bibel spricht vom Sein Gottes in dem, was wird,
von der Kraft aufzustehen und neu zu beginnen.

Zeichnen wir das Leben zu klein?
Verwechseln wir die Nussschale mit dem großen Meer?
Nehmen wir uns zu viel, weil wir meinen, alles müsse sich im Diesseits erfüllen?
Trennen wir diese von der kommenden Welt?

Führe ich gen Himmel, so bist du da;
bettete ich mich bei den Toten, siehe, so bist du auch da.
(Psalm 139,8)

Wenn Gott auch im Vergehen und im Tod ist ….
hindert das nicht daran, zu trauern und mitzuleiden,
das Leben zu schützen und es nach Kräften zu bewahren.

Aber es öffnet Hoffnung.

Spräche ich: Finsternis möge mich decken
und Nacht statt Licht um mich sein –,
so wäre auch Finsternis nicht finster bei dir,
und die Nacht leuchtete wie der Tag.
Finsternis ist wie das Licht.
(Psalm 139,11-12)

Ist das Licht?

Ist das Licht? …

Die Kraft aufzustehen, die Bereitschaft zu helfen,
die Erfahrung großer Solidarität,
berührende Geschichten von Menschen,
denen das Wenige, was ihnen blieb, zum Trost wird,
Momente, die ausruhen möglich machten,
Augenblicke der Herzensruhe,
die Gewissheit, dass unsere Verstorbenen im Licht sind.

Es scheint nicht viel … aber vielleicht ist es doch das Licht des neuen Morgens.

 

P.S.
Am ersten Freitag im September feiern wir in ökumenischer Verbundenheit den „Schöpfungstag“ – möge er unseren Dank und unsere Achtung groß werden lassen …
für das, was uns geschenkt ist …

Ulrike Stürmlinger, *1961, ist Pfarrerin der Ev. Kirchengemeinde Straelen-Wachtendonk, Beiratsmitglied und Kursleiterin im Haus der Stille.