Winterzeit: Naturgemäß hat die Dunkelheit Oberhand. Wintertage haben ihren eigenen Zauber. Ein Zauber, der von dem sanften Licht der Kerzen ausgeht, das uns das Dunkel bricht, dem Dunkel etwas von seiner Schwere nimmt und sanftmütig stimmt.
„Ich glaube“ – das ist mir eine Nummer zu groß
Fast unbemerkt ist das Jubiläum des 1. Ökumenischen Konzils aus dem Jahr 325 verklungen. Kaum dringt die Erinnerung an die Versammlung der Bischöfe des römischen Reiches im Kaiserpalast von Nicäa in das Bewusstsein der Öffentlichkeit. Anlass gäbe es genug: Bekannt ist das Konzil durch das Bekenntnis, das an seinem Ende verabschiedet wurde. Das Bekenntnis von Nicäa in der Fassung des 2. Ökumenischen Konzils von Konstantinopel aus dem Jahr 381 wird hin und wieder in Gottesdiensten an hohen Feiertagen gesprochen. Schon sein Beginn hebt sich wohltuend ab von so vielen anderen Bekenntnissen. Es beginnt: „Wir glauben.“ Mir ist es eine Wohltat, ist mir doch der andere Beginn, „ich glaube“, eine Nummer zu groß. Ich kann und mag doch nicht die großen Bekenntnissätze durch meinen Glauben, mein Leben, meine Person in Gänze decken. In der Gemeinschaft der Glaubenden, im Wir, weiß ich so viel mehr an Weisheit geborgen. In der Gemeinschaft der Glaubenden ist die Hoffnung dieser vollmundigen Sätze, viel besser aufgehoben als bei mir allein.
Meine Hoffnungen sind blass geworden
Überhaupt: Gemeinsam lassen sich dunkle Momente, auch der Winter, besser bestehen. Irre ich mich? Der Dunkelheiten war zu viel 2025, mehr noch – es wurde finster.
Mir kam das Jubiläum zur rechten Zeit, die Erinnerung an das Licht in der Finsternis, die Erinnerung an Jesus Christus. Der eine lichte Moment und die vielen dunklen Momente, Hoffnung in der Finsternis.
Das Tagelicht ist von eigener Art im Winter. Selten gleißend, mal im Nebel, mal gehemmt durch den wolkenbedeckten Himmel. In diesem Jahr sind meine Hoffnungen bisher selten hell und strahlend. Sie sind blass geworden. Sie haben ihre Gewissheiten verloren – vielfach sind sie enttäuscht. Eine bleierne Wirklichkeit hat sich auf sie gelegt und nimmt ihnen Kraft. Was wird die Zukunft bringen? Ein weniger, das nicht mehr ist? Alles erscheint durchgerechnet, ohne Alternative, in einer ausweglosen Schleife gefangen. Die der Zukunft das Wort reden, wirken unseriös, verlogen, gelegentlich naiv.
Wir bleiben beieinander in der Erwartung der kommenden Welt
Aber es gab kürzlich einen Augenblick, einen kindlichen Moment, in dem mir eine alte Hoffnung aufging und mein Gottvertrauen stärkte. „Wir erwarten die Auferstehung der Toten und das Leben der kommenden Welt.“ So endet das Bekenntnis von Nicäa, Konstantinopel. Ein Geschenk für mich. Im Namen des Vaters, des Sohnes und des Geistes, in Gottes Namen ist über die Zukunft entschieden. Weder Ökonomen, Politikerinnen, Wissenschaftler:innen, Publizisten, InfluencerInnen und auch ich nicht, ich Kleingläubiger, bestimmen die Zukunft. Wir – wir bleiben beieinander in dieser Erwartung – das ist mir ein Teil dieser wiedererwachten Hoffnung. Jesus spricht: Das Reich Gottes ist mitten unter euch. An wem wäre es davon zu reden? Wären wir es – die Freunde Jesu?
Gott ist eine Freundin der Zukunft
Zwischen dem Dröhnen der Stiefel, der kalten Gewissheit der Nachrichten, den stummen Schreien vieler ohne Zukunft klingt es dennoch nach Zukunft. Gott ist eine Freundin der Zukunft. Wir haben vor wenigen Wochen die Geburt Jesu gefeiert. Die Melodie der Zukunft ist in unsere Tage gelegt. Es klingt nach Frieden und Güte, nach Respekt und Liebe, nach Gerechtigkeit und Recht. Hört ihr es auch? Lasst uns stille werden und beten:
Vergiss mich nicht.
Der neue Morgen bricht an, ein neuer Tag aus deiner Hand.
Lass mich die Zeit des Tages bestehen, an dir festhalten, und bitte halte mich.
Halte mich in der Hoffnung auf deine Gegenwart jetzt und in den Tagen, die kommen.
Segne mich – und auch die anderen, auch die, deren Namen mir kaum über die Lippen gehen.
Amen
Welche Melodie gibt den Ton an?
Und überhaupt: Lasst uns einstimmen in den Klang der kommenden Welt, ihn weitertragen auf den Lippen und im Herzen und als Melodie unseres Lebens. Die Melodie, die zwischen den vielen anderen Melodien, die in uns klingen, den Ton angibt. Leben ist eine prächtige Alternative.
Heinrich Fucks, *1961, ist Pfarrer und Superintendent im Kirchenkreis Düsseldorf und Mitglied im Beirat des Hauses der Stille

