Dieser Knotenstern, den Julia Hagemann gezeichnet hat, ist mein persönlicher Begleiter durch die pandemische Advents-und Weihnachtszeit. Er spricht mich direkt an, einerseits durch das Bleistift-Grau und andererseits durch die verschiedenen Knoten. Diese Adventszeit erlebe ich gerade nicht in strahlenden Farben und das bezieht sich nicht nur aufs Wetter. Die sich sonst so leicht einstellende heitere Stimmung bei Kerzenlicht und einem heißen Tee verblasst. Ja, es ist das unberechenbare Virus, was uns alle durcheinander bringt. Es unterbricht unsere guten Routinen und in unsere Beziehungen mischt sich Unsicherheit, Misstrauen und Verwirrung.
Geimpft, Genesen oder Ungeimpft. In dieser Drei- Klassengesellschaft leben wir nun schon seit Monaten. Alle Versuche dabei die Gemeinschaft im Blick zu bewahren, auch diese wurden durch das Virus torpediert, denn ein unverkrampftes Miteinander unabhängig vom Impfstatus ist nicht möglich.

Und doch der Stern gefällt mir. Es ist vor allem seine klare äußere Form und seine Symmetrie. Es ist der Rahmen, der die Knoten umfasst und der in die Weite ausstrahlt. Sterne leuchten – auch der Knotenstern. Zu seinen Spitzen hin wird er heller und dort findet sich Freiraum, da ist nicht alles festgezurrt. Genau wie in seiner Mitte, da ist es auch hell und luftig.
Vielleicht kann uns dieser Stern ein Hinweis sein, worauf es gerade jetzt in dieser verworrenen Zeit ankommt: Nimm Deine eigene Mitte in den Blick! Achte auf den größeren Rahmen, der alles umfasst! An den Stellen wird es hell und Du findest Luft zum Atmen.
Die Knoten springen vielleicht zuerst ins Auge, aber sie machen den Stern nicht aus. Das Verworrene ist in einem Größeren gehalten und da herrscht eine klare Ordnung und Form.
Unser Rahmen ist das Reich Gottes und in seiner Mitte leuchtet Jesus Christus. Anders als erwartet ist seine Ankunft in dieser Welt, irgendwie auch nicht glatt, sondern verworren: Die Geburt im Stall statt im Palast, die armen Hirten als erste Gratulanten, das neugeborene Leben und bald darauf die Flucht – keine gerade Laufbahn für den Heiland der Welt.
Trotzig strahlt der Stern über dem Stall und ist weit sichtbar. Seine Leuchtkraft reicht über die Zeiten hinweg bis in unsere Gegenwart: Die Finsternis vergeht und das wahre Licht scheint schon. (1. Joh 2,8)
Diese Zusage möge unsere eigene Mitte, unser Herz, erhellen und stärken.
Das Licht des Sterns von Bethlehem strahlt weit aus. In dieser Weite mögen wir Freiraum zum Atmen und Handeln entdecken. In dieser Weite verliert ein Virus an Bedrohung und es siegt das Licht.
Eine lichtvolle und gesegnete Advents-und Weihnachtszeit wünsche ich uns allen.
Irene Hildenhagen

