Planen Sie, im Sommerurlaub an die See zu fahren? Sind Sie vielleicht schon unterwegs oder haben schöne Erinnerungen an Strand, Meer, Wellen und Weite? Ich war vor kurzem zwar nicht am Meer, aber für ein paar Tage in Hamburg. Da spürt man durch die Binnen- und die Außenalster in der Stadt und die Elbe mit dem riesigen Hafen die Nähe zur See und die Ferne.
Verstörend schön, von Winden und Meeren geprägt
Einer der Höhepunkte war der Besuch der Hauptkirche St. Katharinen. Dort wurde die Kunstinstallation „Gaia“ gezeigt. Gaia ist in der griechischen Mythologie die personifizierte Erde, eine Muttergottheit, die gebärt und nach dem Tod wieder in ihren Schoß aufnimmt. In Hamburg war mitten im Kirchenschiff ein riesiger Ball mit 7 m Durchmesser aufgehängt, der sich langsam drehte und auf dem die Erde als Planet abgebildet ist. Hierfür hatte der Künstler Luke Jerrem Aufnahmen der NASA aus dem All verwendet. Stühle standen drum herum und man konnte sich auch mit etwas Abstand im Altarraum auf Säcke setzen oder legen. Die Kirche mit ihren weißen Wänden war in blaues Licht getaucht. Ich habe mir Zeit genommen: ein Blick wie aus dem All auf unseren blauen Heimatplaneten. Wie wunderbar, aber auch zerbrechlich erscheint die Erde.
Mit beiden Beinen fest auf dem Boden stehen: Können wir das?
Staunen, wie der Beter in Psalm 104, Vers 24: „Herr, wie sind deine Werke so groß und viel. Du hast sie alle weise geordnet und die Erde ist voll deiner Güter.“
Beim längeren Betrachten fiel mir auf, dass im oberen Bereich gerade noch das Mittelmeer, aber wegen der Erdkrümmung kaum noch Europa zu sehen war. Dafür beeindruckten mich die riesigen Wassermengen, vor allem die des Pazifiks und des Atlantiks. Die Kontinente, auf denen wir Menschen leben, wirkten dagegen recht klein. Wolkenfelder wirbelten über den Meeren und überdeckten teilweise auch das Land. Die Kraft und die Bewegung der Winde und Meere, gegen die sich die Landmassen behaupten, waren spürbar, aber auch die Bedrohtheit und Zerbrechlichkeit dessen, was wir als gegeben, fest und dauerhaft in unserer nahen Umgebung wahrnehmen.
‚Mit beiden Beinen fest auf dem Boden stehen‘ gehört zu unseren Redewendungen und zeigt nun nur, wie begrenzt unsere Sichtweise bezogen auf die Erde und ihre Atmosphäre ist.
Beobachtungen, die die Zeit vergessen lassen und das Herz erfüllen
Vor allem war es die Schönheit des blauen Planeten, unserer Erde, die mich fasziniert hat. Sie ist nicht nur, aber auch unser Lebensraum – wir sollten uns nach Kräften bemühen, ihn zu erhalten. Seine Bedrohtheit, nicht nur durch Naturgewalten, sondern vor allem durch unser Tun ernst zu nehmen. Seine Schönheit auch im Kleinen wahrzunehmen und lieben zu lernen als gute Schöpfung Gottes. Wer liebt, will auch bewahren.
Die Ferienzeit ist eine gute Gelegenheit, die Natur am Urlaubsort oder in der heimatlichen Umgebung aufzusuchen und sich für Beobachtungen Zeit zu nehmen; Zeit, nicht nur zum Sehen, sondern auch zum Hören, Riechen und Befühlen, zum Wahrnehmen mit allen Sinnen und dabei die Zeit zu vergessen. Ich wünsche Ihnen, dass Sie dann erfüllt und dankbar, vielleicht auch mit einem Lob Gottes im Herzen wieder in Ihre Unterkunft oder nach Hause gehen. Segensreiche Sommerzeit!
Sabine Fischer, *1956, ist Juristin im Ruhestand und Geistliche Begleiterin, wohnt in Wuppertal und ist Mitglied im Beirat des Hauses der Stille
„Gaia“ tourt „weltweit“ – als nächstes ist sie z.B. 16.8.-15.9. in Osnabrück und 3.10.-9.11.2025 im Dom St. Blasien (Schwarzwald) zu bestaunen.

