„Zuversicht. Ein Mensch. Ein Wort.“ Robert Habeck als Parteivorsitzender daneben – ernst und zuversichtlich, oder doch eher sorgenvoll? So sieht zuversichtliche Widersprüchlichkeit aus – großformatig und unübersehbar.
Die Hoffnung, die sich mit diesem Wahlplakat verbunden hatte, hat sich nur mäßig erfüllt. Die Notwendigkeit, um Zuversicht zu ringen, ist aktueller denn je. Wo kommt sie her, die Zuversicht, wenn alles in Wanken gerät? Was macht sie aus, wie wird sie zur Begleiterin, zur Antriebskraft? In der Bibel sprechen verschiedene Menschen und Situationen von Zuversicht:
Es ist aber der Glaube eine feste Zuversicht dessen, was man hofft,
und ein Nichtzweifeln an dem, was man nicht sieht.
Hebräer 11,1
Zuversicht ist kein bisschen alltäglich. Sie ist nicht einfach zu finden. Sie ist erlebbar, aber nicht unbedingt sichtbar. Sie weist über das Gegebene hinaus, braucht einen weiten Raum. Sie ist für unsere Sorgen- und Angststimmen das, was eine gute Mutter für ihr kleinmütiges und ängstliches Kind ist. Ein Ort der Zuflucht, ein Ort sich zu lassen. Der Klang neuen Lebens.
Gesegnet ist der Mann, der sich auf den HERRN verlässt
und dessen Zuversicht der HERR ist.
Eine ambivalente Angelegenheit
Was für ein Satz. Wie in Stein gemeißelt. Eindrucksvoll und erhaben. Ein Monolith, der Orientierung gibt, der anzieht und zugleich abstößt. Den Suchenden überlässt er hilflos seinem Unvermögen. Seine Größe schreckt ab und wird zur unzugänglichen, verschlossenen Möglichkeit. Wie sich an einem solchen Satz aufrichten? Wie ihn „besteigen“? Wie nicht an ihm scheitern?
HERR, zu dir schreie ich und sage:
Du bist meine Zuversicht, mein Teil im Lande der Lebendigen.
Psalm 142,6
Ich höre den Klang dieses Satzes. Geschrien, ungläubig, angefochten. Die Situation des Menschen ist bedrohlich. Aber immerhin ist er nicht allein. Er hat sein Gegenüber, einen Halt im Lande der Lebendigen.
Hab‘ ich das Gold zu meiner Zuversicht gemacht
und zum Feingold gesagt: »Mein Trost«?
Hiob 31,24
Täuschung betritt den spirituellen Raum. Das Gefühl, verlassen zu sein. Trotz allen Glaubens, trotz des Bemühens, aufrichtig und wahrhaftig zu leben. Eine Verzweiflung, die die Welt und Gott nicht mehr versteht.
Des HERRN Wort ist mir zu Hohn und Spott geworden täglich. Ich will seiner nicht mehr gedenken und nicht mehr in seinem Namen predigen.
Jeremia 20,8b-9a
Der Tiefpunkt. Gott nicht mehr sehen. Nichts mehr von Gott erkennen, als ob es ihn nicht gäbe. Im eigenen Leben nicht und auch nicht in der Welt und im Weltgeschehen.
Der Humanität immer wieder die Hand hinhalten
Zu jedem dieser Sätze aus der Bibel gehört eine eigene Geschichte. Und doch reihen sich die Geschichten aneinander, als ob es unsere wären.
Die Menschen der Bibel hören nicht auf, nach Gott zu suchen. Sie hören nicht auf, ihre Zuversicht zu suchen und sie gegen alles, was dagegen spricht, an IHN zu binden.
Frei nach Hilde Domin wollen auch wir nicht müde werden, der Zuversicht leise – wie einem Vogel – die Hand hinzuhalten.
Mut und Kraft erwachsen daraus, bis heute, und Menschen, die Zynismus und Arroganz die Stirn bieten und die die Courage und die Wahrhaftigkeit haben, glaubwürdig und ruhig zu sprechen, und die uns hören lassen, was menschlich ist und was Menschlichkeit braucht. Mariann Edgar Budde ist beim Gottesdienst zur Amtseinführung des neuen amerikanischen Präsidenten mit wenigen Worten wesentlich geworden.
„Lassen Sie mich einen letzten Appell aussprechen. Herr Präsident, Millionen haben Ihnen ihr Vertrauen geschenkt. Und wie Sie gestern der Nation sagten, haben Sie die Vorsehung eines liebenden Gottes gespürt. Im Namen unseres Gottes bitte ich Sie um Barmherzigkeit, für die Menschen in unserem Land, die jetzt Angst haben.“
Es ist aber der Glaube eine feste Zuversicht dessen, was man hofft,
und ein Nichtzweifeln an dem, was man nicht sieht.
Hebräer 11,1
Woher Zuversicht kommt, können wir nicht erklären, so wenig, wie wir Gott erklären können. Aber wir werden daran festhalten, dass es ihn gibt, und wir werden nicht aufhören, um Zuversicht zu ringen, und wo wir sie finden, von ihr zu erzählen und über sie zu staunen.
Ulrike Stürmlinger, *1961, ist Pfarrerin i.R., Geistliche Begleiterin und Mitglied im Beirat des Hauses der Stille

