Das Licht scheint durch die Risse und Brüche in den Stall. Es leuchtet durch die Spalten in den Balken. Es wandert am Mauerwerk entlang, bis es durch die großen und kleinen Ritzen hineinscheint. Ein wenig Licht nur, das überhaupt hereingelangt.
Es erreicht nicht jeden Winkel. Wo die Steine hart sind und das Holz fest, da gelangt das Licht nicht hindurch. Es scheint herein, immer mal wieder ein wenig, durch jeden Riss und jeden Bruch. Und wo der Lichtschein das Stroh berührt, da fängt der Halm an golden zu glänzen.
Das allererste Weihnachtslicht
So stelle ich mir das Licht vor, damals, im Stall von Bethlehem. Das Licht der Sterne, die über dem Stall stehen und heller leuchten in dieser Nacht als sonst. Den Glanz der himmlischen Heerscharen, nicht von dieser Welt, der alle Dunkelheit erhellt. Das Licht der Lampen der Hirten, draußen vor dem Stall. All das Licht scheint durch die Risse und Brüche in den Stall herein.
Das erste Weihnachtslicht: Ein Licht, dass sich das Zerbrochene sucht, um in die Dunkelheit zu gelangen. Ein Licht, dass das Zerrissene berührt und durch es hindurchscheint. Ein Licht, das die Welt glänzen lässt, ganz leicht, ein wenig nur.
Hoffnung scheint gerade an den Bruchstellen auf
So stelle ich mir das Weihnachtslicht vor, das mir Hoffnung gibt: Ein Licht, das durch scharfkantige Risse und nicht heilbare Brüche scheint. So, hoffe ich, ist das Licht, von dem es heißt: „Und das Licht scheint in der Finsternis, und die Finsternis hat’s nicht ergriffen.“
Es ist ein Licht, das den Wunden, Bruchstellen und Schwächen in unseren Leben auf einmal Sinn und sogar Glanz geben kann.
Immer wieder zünden wir Menschen Lichter an: Im November die Lichter auf den Gräbern. In der Adventszeit zünden wir die Kerzen auf den Adventskränzen an, bis wir den Weihnachtsbaum in einen Lichterglanz tauchen. An Silvester funkeln die Wunderkerzen. Und schließlich zünden wir die Osterkerze an.
Ich stelle mir vor: In allen diesen Lichtern ist etwas von der Hoffnung enthalten, die in dem Licht ist, dass durch die Risse und Brüche in den Stall hineinscheint.
Dr. Katharina Opalka, * 1985, ist Systematische Theologin, arbeitet zurzeit in einer Vertretungsprofessur an der Universität Bonn zu Spiritualität sowie als Pastorin im Kirchenkreis an Sieg und Rhein und ist Mitglied im Beirat des Hauses der Stille.


Danke Ihnen für die leuchtenden Gedanken zum Licht!
Das ist das Starke am Licht: es scheint durch die feinsten Ritzen!
Das Feine, scheinbare Unstoffliche schafft es dort durchzukommen, wo nichts anderes durchpasst!
Frohe Weihnachten!
yes, there is a crack in everything – that´s how the light gets in! (Leonard Cohen)